Ingwer hat eine unheimlich lange Tradition. Die ursprüngliche Heimat der Pflanze ist nicht mehr eindeutig zurückzuverfolgen. Der Ursprung der Ingwerpflanze wird in Indien oder China vermutet, doch definitiv ist das nicht. Der Ursprung der Ingwer-Kultur kann also beiden Ländern zugesprochen werden. Inzwischen wird Ingwer heute vielerorts angebaut, wo tropische Bedingungen herrschen. Etwa 80% des in Deutschland erhältlichen Ingwer stammt aus China, dem größten Ingwer-Exporteur.

China – TCM

In China gilt Ingwer als Genussmittel, Nahrungsbestandteil, Geschmacksgeber, Heilmittel und Allroundmittel zur Gesunderhaltung bzw. Vorsorge. Die Theorie der „Harmonisierung der Speisen“ gehört zur chinesischen Weltanschauung. Essen und Trinken bedeutet die Harmonisierung der kalten Yin- und der heißen Yang-Energie. Ingwer gehört als trockenes, sehr „warmes“ Gewächs zum Yang.

In China wird Ingwer seit mehr als 2500 Jahren intensiv als Heil-und Nahrungsmittel genutzt. Es wird ihm „göttliches Feuer“ zugesprochen. Medizinisch wurde es vor allem eingesetzt, um die Seekrankheit zu verhindern und die Verdauung anzuregen. Beides Probleme, die in China als Volk der Seefahrer damals sehr akut waren.

In der Traditionellen Chinisischen Medizin (TCM) gilt Ingwer als „warm“. Das bedeutet, dass sie vor allem bei Krankheiten hilft, die durch Kälte verursacht wurden. Ingwer gilt als ein wirksames Mittel gegen Husten, Erkältungen und Rheuma.

Indien – Die Ayurveda Lehre

In Indien gehört Ingwer seit Jahrtausenden zum alltäglichen Leben. Kaum ein Gericht der indischen Küche enthält kein Ingwer. Es ist sogar fester Bestandteils eines jeden Currypulvers. Er hilft einer guten Verdauung und soll beim Essen seine anregende und verjüngende Wirkung entfalten.

In Indien werden insgesamt die größten Mengen Ingwer produziert, etwa 360 000 Tonnen pro Jahr. Das meiste davon geht in den einheimischen Markt – wird also nicht exportiert. Das liegt daran, dass Ingwer parallel zur TCM in der medizinischen Ayurveda-Lehre eine wichtige Rolle spielt. Die meisten ayurvedischen Mittel sowie traditionelle indische Speisen enthalten Ingwer. Laut der über 4000 Jahre alten Gesundheitslehre soll Ingwer die Wirkungskraft anderer Heilpflanzen verstärken. Diese Hypothese ist inzwischen wissenschaftlich belegt. Ingwer sorgt dafür, dass gleichzeitig Arzneimittel vom Körper besser aufgenommen werden und es verstärkt außerdem die Verdauungskraft „Agni“. Das Ansammeln von schädlichen Substanzen wird erleichtert und das Verbrennen und Ausscheiden von Giften. Im ayurvedischen Sinne gilt Ingwer als Entschlackungswurzel.

Im Ayurveda zählt Ingwer neben schwarzem und langem Pfeffer zu den „drei Scharfen“ (Trikatu). Diese drei Gewürze wirken ebenfalls auf psychische und geistige Konstitution. Ingwer hilft uns einen klaren Kopf zu bekommen, besser mit Stress und Hektik umzugehen, und er wirkt ebenso Antriebslosigkeit und Müdigkeit entgegen. Daher ist er für Konfliktträchtige Menschen (Pitta-Menschen) genau so hilfreich, wie für harmoniebedürftige Menschen mit Wunsch nach Stabilität und Struktur (Kapha-Typen). Nur wenige Heilmittel können solch unterschiedliche Spektren abdecken.

Ingwer kommt nach Europa

Die mittelalterlichen Kreuzritter brachten neben Pfeffer und Zimt auch Ingwer aus dem Orient nach Europa. Zunächst war für den Ingwer wenig Verwendung gefunden. Dies lag mitunter an seinem hohen Preis und er war dadurch vor allem dem Adel und reichen Kaufleuten vorenthalten. Erst Anfang des 17. Jahrhunderts, als spanische Siedler den Ingwer in großen Mengen nach Europa verschifften, stieg das Ingwerangebot – und damit sanken die Preise. Plötzlich bestand eine enorme Nachfrage nach Ingwer als Gewürz.

Vor allem in England war der Ingwer als Gewürz vor Speisen und Getränke sehr beliebt. Eine Tradition, die bereits mit den ersten Besuchen der Römer begonnen hatte. Spästens ab dem 10. Jahrhundert wurden Ingwerleckeren zu der Teatime serviert. Noch heute sind Ginger-Ale als Getränk und Ginger-Biscuits und Ginger-Bread sehr beliebt. In Deutschland etabliert sich der Ingwer in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts als Gewürz. Der eigentliche Durchbruch in Deutschland war in den 1970ern. Zu der Zeit wo der überall zahlreiche chinesische Restaurants eröffneten; es kam zum kulinarischen Asia-Trend. Mittlerweile erhält man Ingwer kostengünstig in Supermärkten, Naturkostläden und Reformhäusern. Als Heilmittel gegen Reise- und Schwangerschaftsübelkeit wird er es auch medizinisch eingesetzt.

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