Ingwer besteht zu drei Prozent aus ätherischen Ölen. Der typische Ingwergeruch entsteht hauptsächlich durch Beta-Sesquiphellandrol und Zingiberol. Das zitronenartige Aroma wird durch Neral und Geraniel hervorgerufen. Die Zusammensetzung der ätherischen Öle kann je nach Herkunft stark variieren. 

Die ätherischen Öle beim indischen Ingwer bestehen hauptsächlich aus Curcurmen, Zingiberen, Alpha-Farnesen, Beta-Sesquiphellandren und Beta-Bisabolon, sodass die Pflanze geschmacklich in die Nähe des Kurkuma rückt.

Der australische Ingwer hat als ätherische Öle vor allem Campen, Phellandren, Neral, Geraniel und 1,8-Cinel. Neral findet man in großen Mengen in Lemongras, während Geraniel beispielsweise beim Lagern von Tomaten freigesetzt wird. Die Mischung aus Neral und Geraniel wird unter dem Namen "Citral" auch in der Kosmetikindustrie eingesetzt. 

Ingwer Inhaltsstoffe: Ätherische Öle als Heilwirkung

Wissenschaftler der School of Bioresources and Technology in Bangkok fanden heraus, dass die ätherischen Ingwer Öle antibiotisch gegen zahlreiche Bakterien wirken. Darunter befindet sich auch die Kugelbakterie Staphlococcus aureus, die an zahlreichen Erkrankungen beteiligt ist: Vom Furunkel über Atemwegsinfekte bis zur Lungenentzündung. Auch gegen das Bakterium Bacillus cereus wirken Ingwer Öle antibiotisch. Dieses heimtückische Stäbchenbakterium nistet sich gern in Nahrungsmitteln - vor allem in Reisgerichten - ein und löst bei Menschen schwere Vergiftungen mit Durchfall und Erbrechen aus. Die Vorliebe in asiatischen Ländern für Ingwer erhält somit eine konkrete medizinische Basis: Er schützt nämlich vor Infektionen, die typisch sind in den dortigen auf Reis basierten Speiseplan. Ingwer hilft erwiesenermaßen gegen Brechreiz und Übelkeit, beispielsweise auf einer Seefahrt oder im Flugzeug.

Vorallem die indischen Ingwersorten können ausgesprochen scharf schmecken. Verantwortlich dafür sind vorrangig zwei Stoffgruppen: Die Gingeröle und Shogaole.

Gingeole

Für die Stoffgruppe der Gingeröle gilt: Je kürzer, umso schärfer. Das bedeutet: Je kürzer die chemischen ketten eines Gingerols, umso schärfer ist es im Geschmack. Deswegen brennt 6-Gingerol stärker auf der Zunge als 10-Gingerol.
Kurzkettige Gingerole arbeiten antioxidativ: Sie schützen die Körperzellen vor agressiven Sauerstoffverbindungen, die als Hauptverantwortliche für zahlreiche Erkrankungen gelten, vorallem aber für Krebs. Doch sie helfen auch, wenn bereits krebsartige Veränderungen im Körper vorliegen. In Laborexperimenten unterdrückten sie das Streuverhalten von Tumoren, sie hemmten also die sogenannte Metastase oder Tochtergeschwulstbildung, die als eines der größten Probleme bei Krebserkrankungen gilt. Darüberhinaus wirken sie in starkem Maße schmerz- und entzündungshemmend. Auch an den Wänden der Blutgefäße verhindern sie Verdickungen und Verhärtungen, so dass der Blutfluss besser funktionieren kann.

Shogaole

Die Shogaole verdanken ihren Namen dem japanischen Namen für Ingwer: "Shoga". Sie entstehen erst dann in nennenswerten Mengen, wenn der Ingwer nicht mehr im Boden steckt, sondern bereits im Lager liegt.  Denn dann erst verwandeln sich seine Gingerole zu Shogaolen. Diese schmecken weitaus schärfer als ihre Herkunftssubstanzen. Was für den praktischen Gebrauch bedeutet, dass eine Ingwerknolle umso schärfer schmeckt, je länger sie gelagert wurde. Ihr hoher Schärfegrad kann also ein Hinweis darauf sein, dass sie nicht mehr frisch ist. Doch diese Formel gilt insofern nicht immer, als indischer Ingwer auch im frischen Zustand sehr scharf schmeckt. Ausserdem ist eine Zunahme von Shogaolen keineswegs unerwünscht. Denn pharmakologisch sind sie in einigen Punkten den Gingerolen sogar überlegen. Sie scheinen vorallem um stärkere entzündungshemmende Eigenschaften zu verfügen und hauptverantwortlich dafür zu sein, dass Ingwer gegen Überleit und Brechreiz wirkt.

Die heilende Kraft des Kintoki 

Wie weit man per Züchtung des Wirkstoffprofil von Ingwer verändern kann, zeigt das Beispiel des sogenannten "Kintoki". Diese Ingwersorte stammt ursprünglich aus Japan und erhält neben den üblichen Gingerolen und Shogaolen als Hauptwirkstoff zwei Diterpene: Galanolacton und E-8beta, 217 Epoxylabd-12en-16,16-dial. Kintoki wird überwiegend in der traditionellen chinesichen Medizin (TCM) angewendet und mittlerweile auch nicht mehr hauptsächlich in Japan, sondern in China angebaut. Er soll noch besser gegen Reiseübelkeit helfen als die anderen Ingwer-Sorten. 


Quelle: Viele Infos aus diesem Beitrag stammen aus dem Buch Ingwer - Natürlich gesund mit der asiatisch.Heilwurzel. Luechow Verlag Autor: Dr. Joerg Zitlau - Z.B. auf Amazon erhältlich

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